Tarifa

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Ich sitze gerade in Tarifa am Stand auf einem alten Militärbunker, am Ende von Europa und schaue auf Marokko. Hinter mir blüht ein Meer von Ginster und mit der lauen Brise weht es den Duft von Sommer zu mir. Das Meer glitzert durch die Sonnenstrahlen und trägt seine Wellen langsam aber stetig in Richtung Strand.

In diesem Moment, der einfach nur perfekt ist, bin ich trotzdem ein bisschen wehmütig. Mir wird bewusst, dass es nicht nur das Ende von Europa ist an dem ich bin, sondern ich mehr oder weniger auch das Ende von dem Trip durch Spanien erreicht habe. Danach folgen eigentlich fast nur noch andere Länder.

Und wie ich hier so wehmütig sitze und auf Marokko blicke, wird mir auf einmal bildlich klar, dass doch in jedem Ende auch etwas Neues steckt. Ich freue mich riesig auf Marokko und auf Portugal, trotzdem habe ich Spanien einfach so in mein Herz geschlossen, dass es mir schwerfällt weiter zu ziehen.

Ich denke diese Mischung ist aber auch sehr wichtig und typisch für mich. Die Mischung aus Heimweh und Fernweh ist mein Antrieb immer wieder weiter zu ziehen und neues zu entdecken, neue Menschen zu treffen, neue Lebensperspektiven kennenzulernen und die Weite der Welt auf mich wirken zu lassen, aber auch immer wieder zurück nach Hause zu kommen.

Ich denke an all die Menschen die ich in Spanien kennenlernen durfte. Diese Erfahrungen bereichern mich ungemein und ich habe bereits viele Geschichten für zuhause im Gepäck. Vom Aussteiger der seit Jahren mit seinen Hunden in einer Höhle in Granada lebt, vom Flüchtling aus Nigeria der in Cordoba an einer Straßenkreuzung Taschentücher und Duftbäume an die vorbeifahrenden Autofahrer verkauft, dem alten Hippie der mit dem Fahrrad durch die Westsahara gefahren ist, dem alten Hippie-Pärchen aus San Francisco, die Haustausch mit einer Familie in Spanien gemacht haben und mit denen wir spontan ein wunderschönen Abend bei gutem Essen und Wein verbracht haben und von den vielen verschiedenen Lebenskünstlern die sich mit Seifenblasen oder selbstgebastelten Ohrringen ihren Lebensunterhalt verdienen.

Mir wird bewusst, was ein reicher Mensch ich bin. Ich habe die Freiheit dahin zu gehen wo es mir gefällt. Ich habe meine Familie, Freunde und ein Zuhause, was es mir ermöglicht diese Erfahrungen alle zu erleben. Danke dafür!

Diese Reise hat mich in einen völlig entschleunigten Zustand gebracht. Normale Dinge wie einkaufen, duschen und kochen brauchen hier ihre Zeit. Aber das ist unglaublich schön. Es tut gut Dinge wieder bewusst zu tun und zu erleben. Im Alltag geht zu oft das Bewusstsein und die Wertschätzung für bestimmte Dinge verloren. Ich weiß ein Badezimmer, mit einem Klo und einer warmen Dusche mittlerweile sehr zu schätzen, alleine dadurch, weil ich das momentan nicht habe oder es mir suchen muss. Und das ist so schön mal wieder die kleinen Dinge des Lebens wertzuschätzen.

Und wieder schaue ich auf die Schiffe, die langsam am Horizont an mir vorbeiziehen und freue mich auf die nächsten Wochen, auf die verschiedenen Länder, auf all die Menschen die ich kennenlernen werde, auf die Weite der Welt und auf all das was noch vor mir liegt!

 

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